René Gabriel schreibt über uns und bewertet unseren Blaufränkisch Fabian 2015 mit 19 Punkte

19 PUNKTE FÜR DEN FABIAN VON ERNST

Vor sechs Jahren stand ich schon einmal in seinem Keller. Aber nicht in dem heutigen. Damals konnte man die Produktion von Bernhard Ernst aus dem burgenländischen Deutschkreutz noch mit Fug und Recht als «Garagenweine» bezeichnen.

Die Weine waren genau so wie er zum Familiennamen hiess, nämlich «ernst». Straffe Weine, mit ausreichend Tanninen und Potential. Aber es waren auch Weine, welche Mühe hatten aus den etwas strengen Vinifikationseiern heraus zu schlüpfen. Das Potential war aber auf jeden Fall vorhanden und ich merkte mir den jungen Winzer, um ihm später wieder Mal auf die Finger zu schauen …

Gesagt – getan! Gegen Ende Februar 2019 war es wieder so weit. In der neuen, schlichten, modernen und gleichzeitig auf die Funktionalität getrimmten Winery empfing uns der sympathische Deutschkreutzer Winzer. Den «Ernsti» probierten wir nicht. Ist ja auch was für Kinder – denn dabei handelt es sich um einen Liter Traubensaft zu 4 Euro.

Bevor ich die Weine verkoste, studiere ich die Preisliste. Die Preise sind mega-attraktiv. Einen Grüner Veltliner gibt es für € 6.50. Den günstigsten Rotwein, den Zweigelt, kann man sich für € 7.50 in den Kofferraum packen lassen. Unter dem Seriennamen «Sideway’s» verkauft Ernst Merlot, Pinot Noir und Syrah. Kleine Produktionen unter tausend Flaschen, alle zu (extrem preiswerten) 22 Euro. Dichte, euphorische Weine – ein Fingerlecken für jeden Sommelier, der diese Weine entdeckt und seinen Gästen weiterempfiehlt.

Der teuerste Wein ist ein ERNST 2015 – ein Blend aus den besten Lagen Hochberg und Goldberg. Wir probierten ihn. Ein sattes Cuvée mit enorm Potential. Genau einzuordnen kann man diesen Luxuswein (Preis 100 Euro) wohl erst am Beginn seiner Reife. Etwas unten durch rutscht bei uns der ZION 2015. Nicht weil der Wein schlecht ist, aber bei den Spitzenweinen sind wir beim Verkosten so verwöhnt worden, dass dieser halt nicht ganz mithalten konnte.

Seine Bordeauxsehnsucht stillt Bernard Ernst mit seinem La Mission 2014. Eine solide Cuvée mit Merlot und Cabernet Sauvignon. Schmeckt logischerweise nicht nach seinem Vorbild La Mission Haut-Brion. Ist dafür mit 35 Euro wesentlich günstiger. Als Bordeauxkopie kommt er aber recht gut ins Glas und will sich lieber morgen als heute schon so richtig zeigen.

Doch nun zum Epizentrum aus der Produktion von Ernst: Drei Mal Blaufränkisch. Der Hochberg 2015 (18/20) macht das Vorspiel und zeigt sich schon recht zugänglich und vermischt baldige Freude mit einem weiteren Zehnjahrespotential. Mit 14 Euro ein absolut spassiges «Soforthinfahrenundkaufmust». Der Goldberg 2015 zeigt seine goldene Qualitätsseite. Dieser lagerfähigste Blaufränkisch der Ernst-Produktion mischt in etwa 5 Jahren und dann für gute 10 Jahre bei der Topliga vom mittleren Burgenland mit. Ausser bei seinem Preis: 16 Euro. (Eine Sensation!)

Am allerbesten hat mir der Blaufränkisch Fabian 2015 gefallen. Der hatte bei unserem Besuch so richtig seinen Tag. Dabei handelt es sich um Reben welche 1949 gepflanzt wurden. Der schwere Lehmboden lässt den Wein so richtig mollig und reich werden. Die Produktion liegt so um 4'000 Flaschen.

2015 Blaufränkisch Fabian, Weingut Ernst, Deutschkreutz: Sehr dunkles Weinrot und nebst intensivem Rot auch violette und lila Reflexe im Innern zeigend. Das Bouquet versprüht Brombeeren, Cassis und reife dunkle Pflaumen. Durch die lange Zeit am Stock findet man einen minim laktischem Schimmer, welcher das Nasenbild cremig-füllig abrundet. Nebst Frucht findet man auch frische, florale Nuancen und er zeigt, obwohl jetzt schon so enorm offensiv, auch eine bemerkenswerte Tiefe. Im Gaumen mit sehr reichem Körper unterwegs. Dieser zeigt jetzt schon wahnsinnig viel Charme. Der Fluss ist so samtig zu sein, dass man das verborgene Tanningerüst fast nicht bemerkt. Dieses bietet eine solide Lebensversicherung. Von der Entwicklung her wohl ein Model «Immerschön» mit einem Genuss-Potential für mindestens 10 Jahre. Wenn man bei den ganz grossen Blaufränkisch’ – nebst deren eigenen Typizität – auch manchmal Affinitäten zu einem grossen Burgunder oder Rhône-Wein nachsagt; dieser sensationelle Fabian hat von allen Etwas. Und von diesem «von allem Etwas» enorm viel! Die gesamte 2015er-Blaufränkischpalette von Bernard Ernst ist eine Preis-Genuss-Sensation sondergleichen. Und momentan hat dieser sagenhafte Fabian die Nase leicht vorn. 19/20 Bravo!

Vom einstigen Newcomer zur Austria-Rotwein-Elite: https://www.weinguternst.at/